Van Westendorp-Preismodell

Ein Blick auf die linke Achse der grafischen Darstellung vermittelt weitere Informationen. Hier kann abgelesen werden, welche Stichprobenanteile (und damit vermutete Marktanteile) hinter den jeweiligen Preisen stehen und was zu erwarten ist, wenn man von einem Preispunkt nach oben oder unten abweicht. Man erkennt unmittelbar, welche Anteile jeweils hinzugewonnen oder verloren werden.

Durch die Betrachtung der ‚Kurven‘ selbst können relevante Preisschwellen identifiziert werden. Diese erscheinen in den kumulierten Häufigkeitsverteilungen als Stufen. So kann beispielsweise eine Preiserhöhung von 0,99 € auf 1,00 € zu deutlichen Verlusten bei jenen Befragten führen, die das Produkt als ‚billig‘ oder ‚zu billig‘ ansehen.

Mit weitergehenden Auswertungen ist es möglich, einfachere Marktsimulationen anzufertigen. Ähnlich wie bei der Conjoint-Analyse können so Marktanteile geschätzt und Preisabsatzfunktionen berechnet werden.

Mit dem van Westendorp-Preismodell erhält man Preise stets für ganze Gruppen von Personen. Hierbei sollte darauf geachtet werden, dass diese Gruppen nicht zu klein sind. Erfahrungsgemäß führen Stichprobengrößen unter n=30 zu sehr stufigen ‚Kurven‘, so dass die berechneten Preispunkte an Eindeutigkeit zu wünschen übrig lassen.

Das van Westendorp-Modell steht und fällt mit der Annahme, dass die Befragten ehrliche Antworten geben und keine taktisch motivierten Preise nennen. Das gilt zwar grundsätzlich für alle Arten von Self report-Daten, aber kaum eine Abfrage ist für den Befragten so leicht zu durchschauen wie diese. Dafür ist diese Methode für zahlenmäßige Ausreißer nach oben oder unten relativ stabil.